An eine, die vorüberging

Betäubend heulte die Straße rings um mich. Hochgewachsen, schlank, in tiefer Trauer, hoheitsvoller Schmerz, ging eine Frau vorüber; üppig hob und wiegte ihre Hand des Kleides wellenhaften Saum;

Leicht und edel setzte sie wie eine Statue das Bein. Ich aber trank, im Kopf wie ein Verzückter, aus ihrem Auge, einem fahlen, unwetterschwangeren Himmel, die Süße, die betört, die Lust, die tötet.

Ein Blitz… und dann die Nacht! - Flüchtige Schönheit, von deren Blick ich plötzlich neu geboren war, soll ich dich in der Ewigkeit erst wiedersehen?

Anderswo, sehr weit von hier! Zu spät! Niemals vielleicht! Denn ich weiß nicht, wohin du enteilst, du kennst den weg nicht, den ich gehe, o du, die ich geliebt hätte, o du, die es wusste!



Berthes Augen

Ihr dürft die berühmtesten Augen verachten, ihr schönen Augen meines Kindes, aus denen ein Etwas träuft und herbringt, so gut, so süß wie Nacht! Ihr schönen Augen, gießt eure Zauber-Finsternisse über mich!

Große Augen meines Kindes, angebetete Geheimnisse, wie sehr gleicht ihr den Wundergrotten, in denen, hinterm Wust der trägen Dunkelheiten, verborgene Schätze flimmern sich vermuten lassen!

Mein Kind hat dunkle Augen, tief und weit wie du, gewaltige Nacht, erhellt wie du! Und ihre Lichter sind jene glaubenstreuen liebenden Gedanken, die wollüstig oder keusch auf ihrem gründe funkeln.



Das Ende des Tages

Unter einem fahlen Lichte läuft, tanzt und windet sinnlos sich das leben, frech und kreischend. Darum, sobald am Horizont

Die Nacht heraufsteigt, wonnevoll, und alles sänftigt, sogar den Hunger, alles tilgt, sogar die Schande, sagt der Dichter sich: „Endlich!

Mein Geist, wie meine Knochen, ruft sehnlich die Ruhe an; das Herz voll düsterer Träume,

Will ich mich auf den Rücken strecken und mich in eure dichten Vorhänge rollen, o erfrischende Finsternisse!“



Das Gift

Dem Wein gelingt es, auch die schmutzigste Spelunke mit wunderbarer Pracht zu überkleiden, und märchenhaft steigt mehr als eine Säulenhalle im Golde seines roten Dunstes, der Abendsonne gleich an einem Nebelhimmel.

Das Opium weiter das Grenzenlose, verlängert die Unermesslichkeit, vertieft die Zeit, höhlt die Wollust und füllt mit schwarzer und düsteren Lüsten die Seele über ihre Fassungskraft hinaus.

Die alles kann sich mit dem Gift nicht messen, das aus deinen Augen träufelt, deinen grünen Augen, diesen Seen, wo meine Seele bebt und umgekehrt ihr Bild erblickt… Meine Träume kommen in Scharen, in diesen bitteren Abgründen ihren Durst zu löschen.

Dies alles kann sich nicht messen mit den grausen Wunder deines Speichels, der meine Seele ätzt und reuelos in das Vergessen taucht und wirbelnd über Schwindeltiefen sie ohnmächtig an die Ufer des Todes spült!

Das Ideal

Nein, diese Schönen der Vignetten, schadhafte Erzeugnisse eines nichtsnutzigen Jahrhunderts, diese Füße ist Stöckelschuhen, diese Finger mit Kastagnetten, sie werden niemals meinem Herzen wie dem meinen genügen können.

Gern lasse ich Gavarni, dem Dichter der Bleichsucht, seine zwitschernden Schar von Schönen des Spitals, denn unter diesen fahlen Rosen kann ich keine Blume finden, die meinem roten Ideal gleicht.

Wonach dies abgrundtiefe Herz verlangt, das seid Ihr, Lady Macbeth, Seele der Untat mächtig, ein Traum des Äschylus, der, wo der Nordsturm wütet, sich entfaltete;

Oder aber du, große Nacht, Tochter des Michelangelo: gelassen windest du in ungewohnter Pose deine Reize, die für die Münder der Titanen gestaltet sind!

Das vorige Leben

Lange lebte ich unter weiten Säulenhallen, die die Meer-Sonnen färbten mit tausend Feuern und die auf ihren großen Pfeilern, majestätisch hochgerechten, im Abend basaltenen Grotten glichen.

Die Brandungen, anrollend, trugen die Bilder der Himmel und vermischten mystisch-feierlich die allgewaltigen Akkorde ihrer reichen Musik mit den Farben den Abendrots, das meine Augen widerspiegelten.

Dort hab ich gelebt, in ruhevollen Lüsten, inmitten der Bläue, der Wogen, der Schimmer un der nackten Sklaven, ganz von Wohlgerüchen durchtränkten,

Die mir die Stirne mit Palmenwedeln erfrischten, und die nur eine Sorge kannten: das Geheimnis zu ergründen, das schmerzliche, an dem ich siechte.



Der Feind

Meine Jugend war nur ein düsteres Unwetter, das helle Sonnen hie und da durchbrachen; Donner und Regen richteten solche Verwüstung an , dass in meinem Garten nur sehr wenig rote Früchte übrig sind.

Nun geht die Herbstzeit der Gedanke an, und ich muss Schaufel und Rechen brauchen, um das überschwemmte Erdreich wieder einzusammeln, darin das Wasser Löcher höhlt, wie Gräber groß.

Wer weiß denn, ob die neuen Blüten, die ich erträume, in diesen Wie Strand zerwschenen Boden die mystische Nahrung finde Werden, deren zur Kräftigung bedürften?

-O Schmerz! O Schmerz! Die Zeit frisst das Leben, und der finstere Feind, der uns das Herz zernagt, wächst und gedeiht vom Blut, das wir verlieren!

Der freudige Tote

In einer fetten Erde voller Schnecken will ich mir selber eine tiefe Grube graben, wo ich meine alten Knochen gemächlich strecken kann und im Vergessen schlafen wie ein Hai im Meer.

Ich hasse die Testamente, und ich hasse die Gräber; lieber will ich, statt die Welt um eine Träne anzuflehen, bei lebendigem Leibe die Raben zu Gaste bitten, dass sie mein scheußliches Gerippe allerenden schröpfen.

O Würmer! Schwarze Freunde, ohr- und augenlos, seht einen frei und frohen Toten zu euch kommen! Wohlweise Prasser, Söhne der Fäulnis, Kriecht unbesorgt durch meine Reste hin und sagt mir: blieb eine Marter noch für diesen alten Leib, den seelenlosen und toten unter Toten schon?

Der Mensch und das Meer

Freier Mensch, immer wird das Meer dir lieb sein! Das Meer ist dein Spiegel; du schaust in deine Seele in der unendlichen Enthüllung seiner Wogen, und dein Geist ist kein minder bitterer Abgrund.

Gerne tauchst du in deines Bildes Tiefe; du umarmst es mi Augen und Armen, und bisweilen vergisst dein Herz seinen eigenen Aufruhr über dem Brausen dieser unbezähmbar wilden Klage.

Beide seid ihr finster und verschwiegen: Mensch, niemals hat jemand deine Abgründe ausgelotet; o Meer, niemand kennt deinen verborgenen Reichtum, so eifersüchtig seid ihr, euer Geheimnisse zu hüten!

Und doch unzählbare Zeiten schon bekämpft ihr unbarmherzig euch und ohne Reue, so heftig liebt ihr das Gemetzel und den Tod, o ewige Streiter, o unversöhnliche Brüder!



Die Blinden

Betrachte sie o meine Seele; sie sind wahrlich grässlich! Den Gliederpuppen gleich; ein wenig lächerlich; schrecklich und wunderlich wie Schlafwandler; mit finsteren Augenkugeln starrend, niemand weiß wohin.

Ihre Augen, denen der göttliche Funke entwich, bleiben, als blickten sie ins Weite, dem Himmel zugekehrt; nie sieht man sie versonnen das schwere Haupt zum Pflaster senken.

So wandern sie in grenzenloser Schwärze, dem Geschwister des ewigen Schweigens. O Stadt, indes du rings um uns singst und lachst und blökst,

Nach Lüsten gierig bis zur Gräueltat, sieh, ich auch schleppe mich! Doch stumpfer noch als jene spreche ich: Was suchen sie am Himmel, alle diese Blinden?

Die gekränkte Luna

O Mond, den unsre Väter heimlich angeboten, hoch in den blauen Ländern, wo die Sterne bald, ein schimmerndes Serail, aufziehen werden, zierlich ausstaffiert, du alte Cynthia, die unsere Höhlen leuchtet,

Siehst du dort oben die Verliebten, auf ihren Elendsbetten glücklich, im Schlummern ihres Mundes frischen Schmerz entblößen? Den Dichter mit der Stirne sich auf seine Arbeit stürzen? Oder unter dürren Gräsern sich die Schlangen paaren?

Schweifst di in deinem gelben Domino wie einst verstohlen, von spät bis früh die längst verblühten Reize Endymions zu küssen?

»- Ich sehe deine Mutter, du Kind verarmter Zeiten, wie sie in ihren Spiegel die schwere Last der Jahre neigt und kunstvoll den Busen tüncht, der dich gesäugt!«

Die Katzen

Die glühenden Verliebten und die strengen Weisen, beide lieben in reifem Alter die mächtigen und sanften Katzen, die, des Hauses Stolz, fröstelnd wie sie das Zimmer hüten.

Der Wollust Freunde under Wissenschaft, suchen sie gern das Schweigen auf und grause Finsternis; der Hades hätte als Rosse vor seinen düsteren Wagen sie gespannt, wenn sie. Nicht unbeugsam jeder Knechtschaft widerstrebten.

Versonnen nehmen sie die edlen Haltungen der großen Sphinxe ein, die ausgestreckt in tiefen Einsamkeiten ruhen und zu entschlummern scheinen in endlosem träum;

Ihre fruchtbaren Lenden sprüht von Zauberfunken, und goldene Splitter, wie feiner Sand, bestreuen undeutlich ihre Rätselblicke.



Die käufliche Muse

O Muse meines Herzens, die du die Schlösser liebst, wirst du,Wenn Januar seine Nordwinde loslässt, in schwarzer Trübsal der verschneiten Abende, ein Scheit im Kamin haben, deine beiden frostblauen Füße daran wärmen?

Willst du die marmorkalten Schultern denn an nächtlichen Strahlen wärmen, die durch den Laden dringen? Und ist die Börse leer, der Gaumen trocken, willst du das Gold der blauen Wölbungen ernten?

Du musst, um dir dein Boot für den Abend zu verdienen, das Rauchfang schwenken wie ein Chorknabe, muss ein Tedeum Singen, an das du selbst nicht glaubst,

Oder, Gauklerkind mit hohlem Magen, deine Reize darbieten Und dein Lachen, von Tränen feucht, die man nicht sieht, Um so dem Pöbel ein Ergötzen zu bereiten.

Die kranke Muse

Meine arme Muse, ach, was hast du heute morgen? Deine hohlen Augen windbevölkert von nächtlichen Gesichtern, und auf deiner Haut seh ich den Wahnsinn bald widerscheinen und bald das Grauen, beide kalt und verbissen schweigend.

Der gründliche Sukkubus und der fehlrote Kobold, haben sie Angst und Liebe dir aus ihren Krügen eingeflößt? Der Alp, hat er mit herrisch gewaltsamer Faust dich ertränkt im Sumpfe eines sagenhaften Minturnae?

Ich wollte, daß, Duft der Gesundheit hauchend, deine Brust von kräftigen Gedanken stets sich regt und daß dein Christenblut hinflösse in rhythmischen Wogen,

Wie die vielfachen Leute der antiken Silben, in denen Phoebus bald, der Vater Lieder, herrscht und bald der große Plan, der Herr der Ernten.

Die Musik

Die Musik erfass mich oft wie ein Meer! Meinem bleichen Stern entgegen, unter einer Nebel-Decke oder in offener Himmelweite. Setzt ich das Segel;

Die Brust voraus und die Lungen geschwellt wie Tuch im Wind, erklimme ich den Rücken der aufgetürmten Wogen, die mir die Nacht verhüllt;

Ich fühle alle Leidenschaften mich durchzittern einer schmerzlich ringenden Schiffes, der gute Wind, der Sturm und seine Zuckungen.

Auf dem unendlichen Abgrund wiegen mich. - Und manchmal auch: Windstille, großer Spiegel meiner Verzweiflung!



Die Riesin

Gern hätte ich vor Zeiten, als die Nacht in mächtiger Entwürfen mit jedem neuen Tage ungeheure Kinder schuf, mein Leben hingebracht bei einer jungen Riesin, wie zu Füßen einer Königin wollüstig wie eine Katze.

Gern hätte ich gesehen, wie ihr Leibe erblühte mit ihrer Seele und frei erwuchs in seinen schrecklichen Spielen; erraten gern, ob finstre Glut in ihrem Herzen schwelt, aus feuchten Nebeln, die in ihren Augen schwimmen;

Durchwandert gern in Muße ihre machtvollen Gestaltungen; mich hinabgelassen über die Böschung ihrer gewaltigen Knie, und bisweilen im Sommer, wenn unter ungesunder Sonne

Sie müde sich auf die Flur hin lagert, wie gerne lässig geschlafen im Schatten ihrer Brüste, gleich stillem Weiler unten am Gebirg!

Die Schönheit

Schön bin ich, o ihr Sterblichen! Wie ein Traum aus Stein, und meine Brust, an der noch jeder, einer um den andern, sich zerschunden, sie ist geschaffen, dem Dichter eine Liebe einzuhauchen, die ewig und stumm ist wie der Stoff.

Ich throne in der Bläue gleich einer unverstandenen Sphinx; ein Herz aus Schnee schlägt unter meiner schwarzweißen Haut; ich hasse die Bewegung, die die Linien verschiebt, und niemals weine und niemals lache ich.

Die Dichter vor meinem großen Haltungen, die ich den stolzesten Denkmalen zu entlehnen scheine, werden in strengstem Forschen ihre Tage verzehren;

Denn mein sind, diese gefügigen Liebhaber zu bannen, zwei reine Spiegel, die alle Dinge schöner machen: meine Augen, meine weiten Augen voll ewiger Klarheiten!

Die Zerstörung

Unaufhörlich an meiner Seite regt sich der Dämon; er umschwebt mich wie eine unfehlbare Luft; ich schlinge ihm hinab und merke, wie er in meiner Lunge brennt und sie mit ewiger und schuldhafter Begierde füllt.

Manchmal, da meine große Liebe zur Kunst ihm bekannt ist, nimmt er die Gestalt der verführerischen Frau an, und listig unter trügerischem Vorwand gewöhnt er meine Lippen an schändliche Zaubertränke.

So führt er mich, dem Auge Gottes fern, keuchend und erschöpft vor Müdigkeit, in unabsehbar öde Ebenen des Grames

Und wirft in meine ganz verwirrten Augen besudelte Gewänder, offene Wunden und das blutige Gepränge der Zerstörung!



Das Fass des Hasse

Der Hass ist das Fass der bleichen Danaiden; die Rachsucht ungestüm mit roten starken Armen mag in seine leeren Finsternisse aus großen Eimern noch soviel Blut und Tränen der Toten schütten,

Der Teufel bohrt heimlich Löcher in diese Schlünde, durch welche tausend Jahre des Schweißes und der Mühsal versicherten, selbst wenn es ihr gelänge, ihren opfern neues Leben einzuhauchen und, um sie auszukeltern, ihre Leiber aufzuwecken.

Der Hass ist ein Säufer am Grund einer Schenke, dem immer mit jedem Tropfen sich der Durst erneuert und sich vervielfacht wie die lernäische Hydra.

-Die glücklichen Zecher kennen ihren Sieger; dem Hass jedoch ist dieses jämmerliche Los bestimmt, dass nie der Schlaf ihn überwältigt unterm Tisch.

Geistiger Morgen

Wenn weiß und rosenrot bei den Wüstlingen das Frühlicht eintritt und mit ihm, nagend, das Ideal, dann wacht, als wirke ein rächendes Geheimnis, in dem schlafbetäubten Tier ein Engel auf.

Dem hingestreckten Menschen, der noch träumt und leidet, tut sich der Geistes-Himmel Bläue unerreichbar auf und saugende der Abgrund vertieft sie sich. So auch, geliebte Göttin, du Lichte und du Reine,

Schwebt über den schwelenden Resten dumpfer Orgien heller, rosiger, zauberischer, gaukelnd vor meinem groß aufgetanen Augen, unaufhörlich dein Bild.

Die Sonne hat die Kerzenflammen geschwärzt; so immer sieghaft, strahlende Seele, gleichst du, wo ade erscheinst, der unsterblichen Sonne!

Harmonie des Abends

Nun naht die Zeit, wo bebend auf ihrem Stiel die Blüte alle sich verhauchen wie ein Weihrauchfass; Töne und Düfte kreisen in der Abendluft; schwermütiger Walzer und süchtiger Taumel!

Die Blüten alle verhauchen sich wie ein Weihrauchfass; die Geige bebt wie ein Herz, das man betrübt; schwermütiger Walzer und süchtiger Taumel! Der Himmel ist traurig und schön wie ein großer Ruhaltar.

Die Geige bebt wie ein Herz, das man betrübt; ein zartes Herz, dem das Nichts verhasst ist, das wüst und schwarze! Der Himmel ist traurig und schön wie ein großer Ruhaltar; Die Sonne ertrank in ihrem gerinnenden Blut…

Ein zartes Herz, dem das Nichts verhasst ist, das wüst und schwarze, sammelt die Trümmer aller der leuchtenden Vergangenheit! Die Sonne ertrank in ihrem gerinnenden Blut… Dein Bild in mir erstrahlt wie eine Monstranz!



Semper Eadem

„Woher kommt dir“, sprachst du, „diese seltsame Traurigkeit, ansteigend wie das Meer auf schwarzem, nackten Fels?“ - Wenn unser Herz einmal seine Lese gehalten hat, ist leben nur noch ein Übel. Das ist ein Glen offenes Geheimnis,

Ist ein sehr simpler Schmerz, der keineswegs geheimnisvoll, und der wie deine Freude allen in die Augen springt. Drum höre auf zu suchen, o schöne Wißbegierige! Und mag deine Stimme noch so sanft sein, schweige!

Schweig, Unwissende! Allzeit verzückte Seele! Mund mit dem Kinderlächeln! Mehr noch als das Leben hält oft der Tod uns unsichtbar verstrickt.

Lasse, o laß mein Herz an einer Lüge sich berauschen, in deine schönen Augen tauchen wie in einen schönen Traum und lange schlummern im Schatten deiner Wimpern!

Späte Reue

Wenn du einst schlafen wirst, o schöne Finstere, am Grunde eines Grabmals aus schwarze Mamor, und wenn du dann als Bett und Haus nur einen regenfeuchten Keller und eine tiefe Grube hast;

Wenn der Stein, auflastend deiner schönen Brust und deinem Flanken, die eine reizende Lässigkeit schmeidigt, dein Herz dann hindern wird zu schlagen und zu wollen, und deine Füße, zu laufen ihren abenteuerlichen Lauf,

Dann wird das Grab, als ein Vertrauter meines unendlichen Traumes ( denn immer versteht das Grab den Dichter), in jenen langen Nächten, aus denen der Schlaf verbannt ist,

Zu dir sagen: „Was nützt es dir nun, unvollkommene Kurtisane, daß du niemals erfuhrst, was die Toten beweinen?“ - Un der Wurm wird deine Haut zernagen wie ein Gewissensbiß.

Sympathisches Grauen

„Aus diesem seltsamen und fahlen Himmel, aufgewühlt wie dein Geschick, was für Gedanken steigen in deine leere Seele nieder? - Gib Antwort, Wüstling!“

-Unersättlich nach Dunklem lüstern und nach Ungewissem, will ich nicht winseln wie Ovid, vertrieben aus dem Paradies des kaiserlichen Rom.

Himmel zerfetzt wie Strande, in euch spiegelt mein Stolz sich! Eure trauerschwarzen ungeheuren Wolken.

Sind die Leichenwagen meiner Träume, und eure Blitze sind der Widerschein der Hölle, in der sich mein Herz gefällt!



Traurige Luna

Lässiger als sonst träumt Luna heute Abend; wie eine Schöne, die auf vielen Kissen ruht und deren achtlos leichte Hand, eh sie entschlummert, liebkosend über ihre Brüste streicht,

So auf dem Seidenrücken sicher Lawinen git sie erstrebend sich langer Ohnmacht hin, und ihre Augen wandern über weiße Traumgesichte, die wie Blüten aufsteigen in das Blau.

Wenn sie in träger Muße bisweilen auf diese erde verstohlen eine Träne niederrinen lässt, fängt fromm ein Dichter, dem Schlafe feind,

In seine hohle Hand die fahle Träne auf, die wie ein Stück Opal in Regenbogenfarben schillert, und bringt sie, den Sonnenblicken fern, in seinem Herzen.

Unstern

Solch eine Last zu stemmen, Sisyphus, bedürfte es deiner Ausdauer! Ob man das Werk auch noch so mutig angreift: lang ist die Kunst, die Zeit ist zu kurz.

Fern den berühmten Grüften, zu einem abgelegenen Kirchhof Zieht mein Herz und schlägt wie auf verhangener Trommel dumpfe Trauermärsche.

-Manch Kleinod schläft vergraben in Finsternissen und Vergessen, Der Hacke unerreichbar und dem Senkblei;

Manche Blume verschüttet süß wie ein Geheimnis ihren Duft Freudlos in tiefen Einsamkeiten.